Woher weiß mein Internet-Browser, dass ich gerade nach einem Hotel in Kroatien für die Sommerferien suche, mich für vietnamesisches Essen begeistern kann und Videos von tanzenden Ziegen eher nicht so interessant finde? Das Sammeln und Auswerten von Daten ist längst Geschäftsgrundlage vieler Unternehmen. Doch was bisweilen recht praktisch sein kann, hinterlässt auch einen schalen Beigeschmack.

Die meisten Europäer stehen laut einer aktuellen Studie der genauen Analyse digitaler Daten negativ gegenüber; vor allem die mangelnde Transparenz über die Verwendung von Informationen über das persönliche Verhalten wird skeptisch gesehen. Berichte über Regierungen und Konzerne, die wenig sorgsam mit diesen Daten umgehen, verstärken diese Skepsis.

Vor diesem Hintergrund birgt Big Data, also die Verwendung großer, mehrheitlich unstrukturierter Datenmengen, nicht nur enorme wirtschaftliche Chancen, sondern hat auch seine Tücken. Das gilt im Speziellen für die Kommunikation. Einerseits ist es verlockend, viel über den einzelnen Menschen zu wissen, andererseits kann dies falsch verstanden werden – in mehrfacher Hinsicht: Bei der Nutzung der persönlichen Daten muss vorsichtig vorgegangen werden, denn die Grenzen zwischen Individualisierung, Service und Belästigung sind fließend. Und die Analyse von Big Data ist gar nicht einfach: Aus der schieren Masse genau das herauszufiltern, das für Kommunikationsaufgaben brauchbar ist, erfordert einiges an Know-how und an passender Infrastruktur. Die Kommunikationsbranche verfügt dank der Digitalisierung über ein rasch wachsendes Reservoir an Daten. Im Zuge der sogenannten „Informationalisierung“ werden heute schließlich in so gut wie allen Bereichen des Lebens Daten angesammelt, die in irgendeiner Form genutzt werden können: Beim Bezahlen an der Supermarktkassa, beim Shoppen im Internet, beim Ansehen von Netflix-Serien. Allerdings ist noch nicht restlos geklärt, wie damit verantwortungsvoll und wirtschaftlich sinnvoll umgegangen werden kann. Allzu leicht könnte darauf vergessen werden, dass hinter den Datensätzen letztlich doch wieder Menschen stecken.

Buchempfehlungen:

Der österreichische FH-Professor Herbert Jodlbauer betrachtet in seinem Buch „Die Datenspinne“ positive und negative Aspekte von Big Data (Leykam Verlag).

„Inside Big Data“ von Christian Rudder (deutsche Ausgabe bei Hanser) liefert interessante Einblicke in die Auswertung menschlichen Verhaltens.