Er ist gerade mal 24, hat sein Volkswirtschaftsstudium nach dem Bachelor geschmissen und  amüsiert nun täglich Hunderttausende. Fritz Jergitsch punktet im kabarettverliebten Österreich mit seinen Satireartikeln. Im Mai 2013 ging Die Tagespresse online und bietet seither täglich eine Bühne für Jergitsch, der seiner Wut auf die Politik und seinem Ärger über gesellschaftliche Entwicklungen in witzig scharfsinniger Weise freien Lauf lässt.

Darüber hinaus gibt es drei gedruckte Bücher, jeweils mit einem „Best of“ des Jahres und Artikeln wie ‚Regierung beschließt nächste Obergrenze: „Nur mehr 20 Regentage pro Jahr“’, ‚Durchbruch für künstliche Intelligenz: Schachcomputer schlägt Austria Wien mit 3:1’ oder ‚Nicht glutenfrei: Hipster fällt nach Biss in normales Brot ins Koma’. Zurückhaltung kennt Jergitsch nicht, genau dafür lieben ihn seine Leser. Dass die Artikel einwenig Jergitschs persönliche Meinung und Gesinnung preisgeben, stört ihn wenig.

Mehr als eine Million Besucher und 425.000 Unique User, also Stammleser, hat die Website laut ÖWA monatlich, darunter etwas mehr Männer als Frauen und die meisten sind zwischen 14 und 39 Jahren. Facebook ist für Jergitsch, der eigentlich Investmentbanker werden wollte, das wichtigste Tool, 280.000 Tagespresse-Fans werden täglich versorgt und viele mehr liken und sharen die aktuellsten Storys.

Allerdings scheint hier ein Plafond erreicht, so setzt der spitzfindige Texter nun auf eine eigene App, um neue Leserschichten zu erschließen und Fans direkt anzusprechen. Der 24-jährige hat inzwischen ein paar bekannte Gastautoren wie Sebastian Huber (Ö3). Jergitsch will auch begabten Lesern Möglichkeiten bieten, „her mit guten Headlines“, lacht er und lobt den Standard für seinen user-generated Content. Eine Variante, die vielleicht auch bei der Tagespresse in Kürze aufgegriffen wird und so Usern und ihren satirischen Ergüssen und Ideen Raum geben würde.

Jergitsch kann inzwischen gut von seiner Idee, die am Küchentisch seiner Studentenwohnung entstand, leben. Haupteinnahmequelle ist die Werbung, Display Ads, aber immer öfter auch gekennzeichnete Native Ads, denn auch Unternehmen stellt er seinen bissigen Wortwitz zur Verfügung.

Bei all dem muss der Content im Zentrum stehen, die Optik stimmen, „wir wollen Politik von unten kritisieren, wer einen Artikel geschrieben hat, das ist Nebensache“. Die persönliche Entwicklung sei jedoch wichtig, meint er, „der Satiriker in mir will wissen, was die Lieblingspassagen der Leser sind und wo ich den Nerv getroffen habe“. Deshalb freut er sich täglich über die Kommentare seiner Begleiter und wir uns auf das tägliche Amüsement.