Bei der Suche nach Fakten und Zahlen sollten auch Wege abseits der üblichen Portale eingeschlagen werden. Hier nun einige Beispiele, wie Recherche vorbei an Google und Wikipedia aussehen kann.

„Was ist die EU?“ lautete jene Suchanfrage, die vor kurzem in Großbritannien besonders oft via Google gestellt wurde. Im Zuge des Brexit – also des angestrebten Austritts der Briten aus der Europäischen Union – gab es offenbar erhöhten Bedarf an der Beantwortung grundsätzlicher Fragen. Längst hat das Internet jenen Platz eingenommen, den früher Lexika ausfüllen mussten; neben Google ist vor allem Wikipedia zum unverzichtbaren Werkzeug für Informationshungrige geworden. Und das gilt auch im professionellen Umfeld: Journalistinnen und Journalisten beispielsweise können sich heute gar nicht mehr vorstellen, bei ihren diversen Recherchearbeiten auf das Internet zu verzichten. Die Gefahr, die dabei besteht, ist aber nicht zu übersehen. Die Sicht auf die Welt wird zwar durch das Internet im Prinzip erweitert, doch wer sich nur auf einige wenige Portal beschränkt, bekommt nur eine selektive Auswahl geboten. Das liegt nicht nur an den wirtschaftlichen Interessen, die hinter dem Geschäft mit der Suche stehen, sondern durchaus auch an der Bequemlichkeit der Suchenden: Wozu sich die Mühe machen, die Quellenauswahl zu erweitern, wenn man doch via Google in Millisekunden viele Treffer erzielt, die bei Bedarf durch das Nachsehen auf Wikipedia verifiziert werden können? Eine Bequemlichkeit, die sich direkt auf die Ergebnisse auswirkt. Die Filter Bubble entsteht. Ein Prinzip, dessen Gefahr wohl den wenigsten aktiv bewusst ist.

Nicht nur für den Journalismus, auch für PR und Werbung zahlt es sich aus, weitere Recherchetools zu verwenden. Das betrifft zunächst mal das Internet selbst: Datenbanken beispielsweise werden bei einer normalen Google-Suche kaum berücksichtigt, lassen sich aber durchsuchen, wenn man den Hinweis „filetype: pdf“ oder „filetype: xls“ anfügt – dann bekommt man auch solche Dateitypen geliefert. Wissenschaftliche Texte lassen sich unter anderem über das „Directory of Open Access Journals“ (https://doja.org) finden. Und Medien-Datenbanken bieten grundsätzlich einen genauen, fundierten Einblick in die Berichterstattung zu einem bestimmten Thema in einem definierten Zeitraum. Vielfach sind ja beispielsweise Artikel in Zeitungen oder Magazinen gar nicht online zu finden, da die Verleger die Texte nicht zur Verfügung stellen.

Aktuelle Meldungen rund um das Thema Recherche bietet unter anderem die Organisation Nieman Lab (www.niemanlab.org). Prinzipiell gilt: Die klassische Recherche kann durch das Internet nicht ersetzt, sondern nur ergänzt werden. Und selbst im Web gibt es deutlich mehr als nur Google und Wikipedia. Je größer und qualitativ besser die Auswahl, desto besser das Ergebnis.